Warum Freifunk glücklich macht

Bei mir Zuhause treffen einige interessante Konstanten aufeinander die im Prinzip ganz nett sind, mir persönlich aber nur gelegentlich einen Nutzen bringen. Zum einen wäre da meine 50 MBit/s-Leitung mit ordentlich Upload. Zum anderen die Tatsache das ich eh schon (aufgrund einer gewissen Paranoia gegenüber meinem Anbieter) immer mehrere Netzwerke Zuhause betreibe. Das Netz in dem ich mich bewege ist tagsüber aus und ziemlich abgedichtet. Meine FritzBox hingegen ist tagüber an um Telefonate anzunehmen oder gelegentlich mal zum Testen von Faxgeräten herhalten zu müssen.

Aus diesem Aufbau ergab sich nun folgende Erkenntnis: Ich bin den ganzen Tag nicht Zuhause, aber mein Internetanschluss ist trotzdem „scharf“ (weil ja die FritzBox läuft). Irgendwas sinnvolles muss man doch damit anstellen können…
Mir fiel nichts besseres ein als meinen Anschluss der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Ich habe mir einen Freifunk-Knoten aufgesetzt und ans Fenster gestellt. Keine Granate was die Abstrahlung (Reichweite) angeht, aber immerhin. Und strenggenommen befinde ich mich hier auch nicht gerade in einer Gegend in der nicht eh jeder mindestens ein WLAN hat… Aber mir gefiel der Gedanke das es gar nicht darum geht einem Bedarf gerecht zu werden. Mir gefällt die Haltung das Internet etwas freies ist auf das jeder zugreifen können muss! Ich stelle meinen Knoten also nicht auf weil es einen konkreten Bedarf in meiner Ecke gäbe, sondern weil ich es für richtig halte über meine Infrastruktur anderen freien und unkontrollierten Zugang zum Internet zu verschaffen.

Macht mich das jetzt glücklich? Ja, schon ziemlich. Obwohl ich dadurch objektiv betrachtet erst mal nur Nachteile habe. Der Router kostet 30 Euro… Der Stromverbrauch liegt wohl so bei 10 Euro im Jahr. Und sollte sich doch mal jemand mit meinem Knoten verbinden, teile ich auch noch meine teuer erkaufte Bandbreite. Aber realistisch betrachtet ist das alles mehr als vertretbar wenn man die größeren Ambitionen der „Bewegung“ als Motiv heranzieht. Die Möglichkeit immer und überall online sein zu können ohne persönliche Daten angeben zu müssen, ist sicherlich das Leitmotiv. Aber parallel dazu entsteht noch ein unabhängiges, freies und anonymes Netz das nicht den – teils vollkommen irrsinnigen – Regeln der Gesetzgebung unterworfen ist.
Wo wir auch sogleich beim spannenden Punkt wären. Ich erzähle den Leuten immer sie sollten bloß nicht ihr WLAN zur Verfügung stellen. Letztlich ist es nur eine Frage der Zeit bis irgendwer Blödsinn damit macht. Aber jetzt mache ich mit meinem Anschluss genau das. Und letztlich gebe ich nicht nur irgendwem mein Kennwort, sondern verzichte gleich auf jede Form von Zugangsschutz. Tatsächlich mache ich das nur, weil ich als Teil des Freifunk-Netzes nicht haftbar bin für das was über meine Leitung gemacht wird. Die Anfragen ins Internet kommen in Schweden oder in den Niederlanden „raus“. Mein Anschluss ist als solcher nicht ermittelbar (für normale Strafverfolgungsbehörden). Und aufgrund der einigermaßen komplexen Technik eignet sich ein solches Netz nur bedingt für Blödsinn. Man muss diese Dinge im Hinterkopf haben wenn man sich dazu entschließt. Aber ich möchte eigentlich nicht primär daran denken was man jetzt alles schlechte mit meinem Knoten anfangen kann. Ich glaube daran das man mit einem solchen Netz sehr viel mehr gutes tun kann. Und deswegen macht es mich glücklich, auch wenn ich als einzelner erst mal nichts davon habe.

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