Goodbye freies WWW

Sehr geehrte Damen und Herren – das WWW ist im Arsch. Und ich möchte mich in aller Form dafür entschuldigen, dass ich hier überwiegend Twitter zitiere. Ich war auf soviel Dummheit nicht angemessen vorbereitet!
Dank dem EU-Parlament, das entgegen deutlich sichtbarer Proteste heute die EU-Urheberrechtsreform ohne Einschränkung abgesegnet hat, werden wir in Zukunft mit einem erheblich weniger freien WWW leben müssen. Und ich möchte hier sehr deutlich darauf hinweisen: Ob irgendwer bei YouTube ein Video mit unzulässiger Hintergrundmusik hochladen kann oder nicht – was übrigens heute schon nicht mehr gehen sollte – ist mir komplett egal. Ich sehe naturgemäß das schlechte im Menschen. Und eine Regierung besteht ebenso naturgemäß aus mehreren Menschen. Und die haben zu allem Überfluss auch noch ein erhebliches Interesse am eigenen Machterhalt. Also beklagt euch nicht, wenn in drei Jahren aus den Uploadfiltern Terrorismusfilter geworden sind. Oder Schutzeinrichtung vor persönlicher “Verunglimpfung”?! Oder auch einfach nur schlichte Zensur. Was mich dabei noch lächeln lässt – die vom akuten Hungertod bedrohten Verwerter werden mit die ersten sein, die die “unerwarteten” Auswirkungen der Reform zu spüren bekommen. Dummerweise leider erst nach den unzähligen kleinen und begabten Autoren, denen jetzt dank Artikel 12 die Hälfte ihrer Einnahmen wegfallen. Aber Schwamm drüber. Auf Einzelschicksale kann keine Rücksicht genommen werden. Nicht wenn es darum geht, die Wünsche der jeweiligen Interessenvertreter zu erfüllen.

Alles für die Lobby

Besonders erschreckend – in dem Bestreben, den Lobbyvertretern nach dem Mund zu reden und das jeweilige Projekt gegen jeden Widerstand durchzudrücken, diskreditiert man sogar eine ganze Gruppe “junger” Wähler. Egal ob bei den Protesten im Rahmen von #SafeYourInternet oder den noch deutlich größeren Aktionen unter der Flagge von #FridaysForFuture – egal was kommt, sofort ist ein “Experte” zur Stelle, der gerne mal davon spricht, dass die Menschen, die ihm Mails schreiben in Wirklichkeit Bots sein. Oder – weil sich das auf Demos nur schwer anders erklären lässt – gekaufte Demonstranten [ich entschuldige mich hiermit in aller Form dafür, dass ich auf Bild.de verlinke. Aber im Original ist der Scheiß einfach noch schöner]. Von Multimilliarden-Konzernen bezahlt. Oder auch sektenmäßig von der Strahlkraft einer 16-jährigen verführt. So oder so, gehen da ausschließlich Zombies, Schulschwänzer oder Idioten auf die Straße. Man kann, nein, man muss sie ignorieren! Und allein ihre Existenz ist eine Gefahr für die Demokratie!

Die sind doch alle verrückt

Oh ja. Die einzigen, die wissen was gut für uns ist, sind die Politiker (die leider nicht so ganz wissen, was das Internet ist oder wie es funktioniert [oder hier]) bzw. Interessenvertreter der jeweiligen Lager. Das Letztere in der Regel direkt profitieren, spare ich mir an dieser Stelle.
Nun reicht es aber nicht, die Existenz der Demonstranten zu negieren. Seit dem heutigen Abend muss auch direkt eine intellektuelle Nähe zum durchschnittlichen AfD Wähler hergestellt werden. Ein Kommentar, den so auch der NRW Ministerpräsident unkommentiert weiter teilt.

Screenshot Twitter vom Post Daniel M.

Man kann ob dieser Arroganz, nur mit dem Kopf schütteln. Oder vielleicht auch angesichts solcher Kommentare:


Jetzt reicht es aber!

Ja, tatsächlich. Es ist spät, und die Liste an dämlichen, diffamierenden, unwahren, peinlichen, unsachlichen Kommentaren, ist quasi unendlich. Es tut mir einfach um die Kids leid, welche sich organisiert und gemeinsam gegen etwas falsches auf die Straße gegangen sind. Egal ob #FridaysForFuture oder #SaveYourInternet (ob Axel Voss weiß, warum man die Worte innerhalb eines Hashtags groß schreibt?) oder #HambiBleibt – sie haben politische und gesellschaftliche Verantwortung übernommen. Sicherlich nicht alle aus den richtigen Motiven… aber welche Generation, welcher Kampf kann das von sich behaupten? Aber sie haben etwas getan. Und ihnen wurde so deutlich wie irgendwie möglich gezeigt, dass ihre Meinung angesichts der wirtschaftlichen Interessen, keinerlei Gewicht hat. Ja sogar, dass man sie zum Schutz vor allzu viel Aufmerksamkeit, als ferngesteuerte Idioten darstellt. Ich bin gespannt, wie diese jungen Menschen sich bei den nächsten Wahlen verhalten. Ich würde mir etwas besonders wünschen… aber auch verstehen, wenn sie einfach Zuhause bleiben. Bleibt also nicht mehr, als mit den Worten eines großen Mannes zu schließen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.