Im Fahrwasser der Telekom…(ankündigung)

Ja, kaum prescht die Telekom mit Aussage vor, man wolle irgendwann in der Zukunft die Internetflat abschaffen und beim erreichen einer Trafficgrenze eine Drosselung der Bandbreite einführen, werden die Stimmen laut die das Ende des Internets ankündigen.

Ich muss gestehen, das ich bei meinem gestrigen, recht kurzfristig verfassten Statement dazu, einige wesentliche Dinge unberücksichtig gelassen habe. Nach wie vor bin ich der Meinung, das zum Beispiel die Grenze von 75 GB pro Monat die meisten User nicht betreffen dürfte. Allerdings bezieht sich diese Aussage auf zwei sehr eigenwillige Faktoren. Zum einen gehe ich dabei vom heutigen Datenvolumen aus. Zum anderen nehme ich als Maßstab meine Kunden. Und gerade dieser Punkt ist wohl kaum repräsentativ. Tatsächlich telefonieren diese Leute über einen reinen Telefonanschluss. Also nichts mit VoIP… Außerdem konsumieren sie ihre TV-Programme auf üblichem Weg. Also nix mit IPTV. Und auch alle anderen Dienste die für ihren Bandbreitenhunger bekannt sind, fallen bei diesen Leuten weitgehend unter den Tisch. Also muss ich wohl in aller Form zurückrudern! Nachdem ich mir das nochmal hab durch den Kopf gehen lassen, muss auch ich einräumen das für viele Kunden eine solche Grenze durchaus erreichbar ist.
Jetzt könnte man ja sagen, das VoIP und IPTV als Argument nicht ziehen dürfen, da sie ja in der Rechnung der Telekom überhaupt nicht auftauchen. Tatsächlich wird damit aber etwas weit schlimmeres durchgesetzt als nur die Begrenzung der Kunden in ihrem Surfverhalten. Das Zauberwort ist die im Moment viel beschriebene „Netzneutralität“.

Was ist damit gemeint? Wenn ein Service Provider alle Daten auf die gleiche Art behandelt, und alles mit der gleichen Priorität durch sein Netz leitet – dann verhält er sich Netzneutral. Lässt er sich von einem Anbieter – Google zum Beispiel – dafür bezahlen das dessen Daten schneller beim Kunden laden als andere Daten, dann verstößt er gegen diese Neutralität.
Hintergrund ist folgender: Wenn Google anfängt dafür zu bezahlen das Youtube-Videos in hoher Qualität schnell beim Konsumenten aufschlagen, bedeutet das im Umkehrschluss das andere Datenpakete warten müssen. Außerdem wäre es wohl das Ende von kleineren, weniger Zahlungskräftigen Videoportalen.
Eine Möglichkeit wäre, die Bezahlung den Kunden übernehmen zu lassen. Das ist aber ähnlich schlecht, da es über kurz oder lang dazu führen würde das Einkommensschwache Gruppen viele Angebote nicht mehr, oder nur in schlechter Qualität / Geschwindigkeit konsumieren könnten. Das verstößt gegen die Grundidee eines gleichberechtigten und freien Internets.
Die Liste der Dinge die schief gehen können – und wohl auch werden – wenn man das Internet in seiner technischen Gleichheit beschneidet ist lang. Schnell kommt man zu Punkten wie Informationsfreiheit, Redefreiheit etc.

Was die Telekom nun anfängt, ist genau das. Die eigenen Dienste VoIP und IPTV werden bevorzugt. Sie werden nicht dem sonstigen Traffic des Kunden hinzugerechnet. Die Streamingangebote anderer Anbieter hingegen schon. Während also das witzige Video von Youtube schon seit zwei Tagen lädt, läuft die ganze Zeit ein Sender wie RTL2 in HD, in normaler Geschwindigkeit. Was ziemlich sinnfrei klingt, soll letztlich nur das grundsätzliche Problem verdeutlichen. Mit dem Einstieg in diese Art der Güteaufteilung, begibt sich die Telekom in die Lage, entscheiden zu können was die Konsumenten noch sehen können. Die Trafficgrenze von 75 GB wird in Zukunft sehr viel schneller erreicht sein als das heute der Fall ist – ausgehend vom Normaluser. Und nach diesem Punkt kauft derjenige entweder Traffic hinzu, oder verzichtet auf Skype-Telefonate und allgemeine Videoangebote.

Sollte die Telekom damit durchkommen, wäre das ein drastischer Schritt in die falsche Richtung. Hin zu einem Netz, das sich nicht mehr jeder leisten kann. Hin zu einem Netz, in dem die Brieftasche darüber entscheidet was man sehen kann und was nicht. Man stelle sich vor, man müsste beim Aufruf eines Bildes von Wikipedia eine halbe Stunde warten, weil die Organisation nicht die Beitrage zusammenbekommen hat die notwendig sind, damit die Telekom ihre Datenpakete so schnell wie möglich ausliefert. Bild.de hingegen ist über alle Plattformen in wahnsinns Geschwindigkeit erreichbar… Das ist kein Internet wie ich es haben möchte. Letztlich hat die Technik an sich schon genug Probleme die sich nicht ohne weiteres lösen lassen. Und wir benachteiligen schon genug Menschen was das angeht. Wir sollte nicht noch dabei zusehen, wie der größte Internet-Service-Provider hergeht und ein Tarifmodell einführt, das brisanter kaum sein könnte.

Wir werden sehen, was daraus wird. Bevor ich meinen Anschluss kündige und mir einen Anbieter suche der von einem solchen Modell Abstand nimmt, werde ich aufmerksam beobachten wie sich die Telekom angesichts des sich gerade formierenden Widerstandes verhält. Wir dürfen gespannt sein. Ich bin es auf jeden Fall. Und ansonsten gehts in die Niederlande. Die haben ein Gesetzt das die Netzneutralität festschreibt – wenigstens im Mobilfunk.

Benny

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