Die Stille – ganz ohne Sturm

Mir ist in den letzen Tagen etwas aufgefallen, das fast zu subtil war als das ich es wahrgenommen hätte. Ich habe ja das Glück, in vielen, vollkommen unterschiedlichen sozialen Schichten unterwegs sein zu können. Ich habe einerseits durch meinen Job Kontakt zu Profis und Kunden denen Datenschutz und Sicherheit von berufswegen her wichtig sein sollte. Andererseits habe ich ebenso Kontakt zu Menschen, die vollkommen in der digitalen Welt angekommen sind und für die der Umgang mit den verschiedenen Medien etwas ganz normales ist. Und dann gibt es noch die Leute, für die all das etwas abstraktes ist unter dem sie sich nichts vorstellen können.

Sie alle verbindet in den letzten Tagen und Wochen etwas. Ich habe gebraucht um das zu begreifen… aber als ich nach der Gemeinsamkeit gesucht habe ist mir klar geworden, das alle schweigen. Niemand fragt, welche Konsequenzen sich aus dem „NSA-Skandal“ für das eigene Leben ergeben. Oder ob es etwas gibt, das sie dagegen unternehmen können. Niemand fragt, wie man im beruflichen Alltag dagegen halten kann. Und niemand äußert sich dazu, wie die größte Enthüllung seit Einführung des WWW unseren Beruf verändern sollte.

Und ich glaube, damit spiegeln meine Erkenntnisse einen allgemeinen Stand in der deutschen Bevölkerung wieder. Klar, es gibt eine Gruppe von Menschen – und zum Glück keine kleine – die laut aufschreien. Die das Thema immer und immer wieder diskutieren und verbreiten. Aber man bleibt dabei unter sich. Im normalen, alltäglichen Leben ist das Thema keins. Es ist eine Randnotiz über die die Menschen beim Konsum der Nachrichten einmal kurz nachgedacht haben. Aber mir scheint, als festgestellt wurde das die Überwachung unweigerlich allumfassend ist, ist bei vielen ein Vorhang gefallen. Gemäß dem Motto: „Schön ist es nicht, aber solange es eine westliche Staatsmacht ist die die Daten abgreift und das irgendwie zu unserem Schutz passiert ist es wohl erträglich…“
Ich gebe zu, das ich hier interpretiere. Gefragt habe ich niemanden danach. Aber es scheint mir eine Erklärung zu sein. Die Menschen ziehen den Kopf ein, weil sie einerseits glauben das nichts und niemand diese Praxis stoppen kann. Und andererseits erscheint ihnen der Protest dagegen falsch, weil es ja zum Wohle aller ist.

Ich glaube das nicht. Ich glaube das der „Schutz“ aller vor einer implizierten terroristischen Bedrohung wenn überhaupt nur ein Abfallprodukt ist. Es geht um Kontrolle. Es geht um die Vorhersage von menschlichem Verhalten. Es geht um die Ausübung und Erhaltung von Macht. Information bedeutet Macht. Wer alles über seinen Gegner weiß – ganz gleich wo dieser sein mag – hat die Macht diese „Bedrohung“ auszuschalten. Politisch unbequeme Leute? Einfach die private Kommunikation abgreifen – irgendwas unangenehmes wird sich darin finden womit man die Leute mundtot machen kann. Politische Gegner? Irgendwer hat bestimmt mal eine schmutzige Seite im Web aufgerufen mit der man die seriösität der Person untergraben kann… und so weiter und so weiter.
Ohne Frage betrifft das die Menschen in meinem Umfeld nicht direkt. Bis zu dem Punkt, an dem ein vielversprechender Kanzlerkandidat von seinem politischen Gegner mit genau solchen Informationen aus dem Spiel geschickt wird und dieses Land in Folge davon weiterhin bergab geht. Und nein, ich beziehe das keinesfalls auf das derzeitige politische Feld. Von denen ist meiner Meinung nach niemand geeignet um etwas aus diesem Land zu machen.

Vorauf ich hinaus will. Selbst wenn sich bei der NSA niemand für unsere persönlichen Daten direkt interessiert. Und auch wenn niemand aus versehen mal in den Fokus einer Ermittlung gerät – was nebenbei bemerkt nicht unwahrscheinlich ist wenn man sich mal anschaut, wie weit die Behörden die Kreise der „Verdächtigen“ ausdehnen – eine derartige Sammlung von Daten bedeutet immer eine völlig unkalkulierbare Gefahr. Für das Wohl aller. Wo diese Daten vorgehalten werden, entstehen Begehrlichkeiten auf Seiten derer die darauf zugreifen können. Viel zu verlockend ist der Gedanke, sich nicht in einem fairen Wahlkampf zu begegenen sondern einfach den Gegner zu kompromitieren. Oder die Anschuldigungen der Presse durch gute Argumente zu widerlegen sondern einfach Druck auf die Journalisten auszuüber weil man über ihre „schmutzigen“ Geheimnisse bescheid weiß.

Jetzt zu schweigen weil man glaubt nichts unternehmen zu können oder nicht davon betroffen zu sein, bedeutet dem Ausbau dieser Einrichtungen widerstandslos zuzusehen. Es bedeutet, das wir uns die Chance nehmen in einer freien Welt zu leben in der die Gesellschaft auch durch unbequeme Wahrheiten einen Ort definiert, an dem es wenigstens die meiste Zeit über einigermaßen nett ist.
Wenn unsere Kinder in 20 Jahren fragen, was wir gemacht haben als einige wenige Organisationen die Kontrolle über unsere Freiheit übernommen haben – was werden wir sagen?
Vielleicht erfordert es viel abstraktes Denken und mehr oder weniger technisches Hintergrundwissen um erahnen zu können wohin das alles führt. Aber niemand kann behaupten, das noch eine Verhältnismäßigkeit vorherscht. Nicht angesichts einer einstelligen Zahl von „vereitelten“ Terroranschlägen in diesem Land. Nicht wenn das bedeutet das sämtliche Kommunikation aller Menschen in diesem Land dafür kontrolliert und protokolliert wird. Nicht wenn der Preis dafür eine Bundesregierung ist, die im Fahrwasser dieser „Bedrohung“ jede Gelegenheit nutzt um ein Stück vom Überwachungskuchen abzukriegen. Letztlich nur zum Zweck der eigenen Machterhaltung. Etwas derartiges kann für ein demokratisches Land nicht gut sein. Etwas derartiges führt dazu, das immer die gleichen Leute an der Macht bleiben und somit Stillstand einkehrt. Mit solch einem Werkzeug kann man die Welt verändern. Aber ich habe keine Hoffnung das es zu etwas gutem genutzt wird…

Was da passiert geht uns alle an. Und wir alle werden die Folgen davon erleben. Direkt. Für jeden einzelnen spürbar. Und was dann? Dann ist der Staat Schuld weil er nichts getan hat? Dann schimpfen wir auf eine Regierung die dann schon lange nicht mehr im Amt ist? Es gibt keinen „Staat“. Es gibt in einer Demokratie nur die Bürger. Wir sollten nicht regiert werden. Wir sollten uns nicht fremdbestimmen lassen. Wir sind die Regierung. Und wenn uns die vorhandenen „Volksvertreter“ nicht passen, müssen wir etwas dagegen unternehmen.

Ich habe vor Jahren mal einen Spruch gelesen der mich tief beeindruckt hat. Wahrscheinlich ein Zitat…

„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht…“

Dem kann man nichts hinzufügen.

Benny

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